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Narzissmus Teil 1

In der heutigen Zeit scheint sich der Narzissmus wie ein Lauffeuer zu verbreiten und manchmal hat man das GefĂŒhl, dass wir von ihm umzingelt sind. Um eines klarzustellen, wir alle haben narzisstische ZĂŒge in uns und das ist auch gut so, denn das ist gesund und wir brauchen sie zum Überleben.

Ich habe unterschiedliche GrĂŒnde warum ich diese vierteilige Serie ĂŒber Narzissmus, NPS (Narzisstische Persönlichkeitsstörung), die verschiedenen Arten von Narzissten, wie man einen Narzissten erkennt, wie man aufhört, einen Narzissten zu fĂŒttern, und wie man sich von narzisstischem Missbrauch – der viel zu hĂ€ufig vorkommt – heilen kann, schreibe.

ZunĂ€chst einmal möchte ich Ihnen die GrĂŒnde nennen, warum ich diese Serie schreibe, es sind zwei wichtige GrĂŒnde. Der erste ist meine eigene Erfahrung mit Narzissten und mein sehr langer Weg zur Genesung von diesem Missbrauch. Der zweite Grund ist, dass ich ein wenig aufklĂ€ren möchte, was Narzissmus eigentlich ist, um hoffentlich dem einen oder anderen helfen zu können, besser zu verstehen, was es ist, was mit einem geschieht, wenn man mit einem Narzissten in Kontakt ist, warum es geschieht, um bei dem Heilungsprozess zu helfen und damit man Narzissten in Zukunft schneller erkennt und vermeiden kann.

“Wer liebt, wird demĂŒtig. Wer liebt, hat gewissermaßen einen Teil seines

Narzissmus verpfĂ€ndet.”Sigmund Freud

Um damit zu beginnen, muss ich zunÀchst meine eigene Geschichte erzÀhlen. Ich tue dies nicht, um Sympathie oder gar VerstÀndnis zu gewinnen. Es ist einfach eine Erfahrung und mein persönlicher Weg aus erster Hand. Ich habe lange damit gerungen, diese Serie zu beginnen, da sie mich sehr verletzlich macht. Aber ich sehe es auch als eine Chance, meinen eigenen Heilungsprozess fortzusetzen, und wenn ich anderen damit helfen kann, wÀre das die Kirsche auf dem SahnehÀubchen.

Ich bin schon mehrmals in meinem Leben auf Narzissten hereingefallen. Der Grund, warum mir das immer wieder passieren konnte, ist einfach, und so offensichtlich er auch war, so lange habe ich gebraucht, um ihn zu erkennen.

Ich wurde von einer Narzisstin aufgezogen – meiner Mutter. Selbst als ich all das, was mir als Kind widerfahren war, ĂŒberwunden hatte, fand ich mich dennoch zweimal in meinem Leben in einer Langzeitbeziehung mit einem Narzissten wieder. Es war etwas, zu dem ich mich hingezogen fĂŒhlte, weil es mir so sehr vertraut war. Ich wusste seit dem Tag meiner Geburt, wie ich damit umgehen musste – ohne zu wissen, wie unglaublich toxisch das ist, und trotzdem versuchte ich, es zu schaffen – es war also wie eine schlechte Angewohnheit, die man nicht wirklich ablegen kann. Man weiß, dass es schlecht fĂŒr einen ist, aber man tut es trotzdem.

Ich kannte all die Schritte die ein Narzisst immer wieder wiederholt nur zu gut. Angefangen mit dem Love-Bombing (das ÜberschĂŒtten mit Liebebekundungen, Zuneigung und Geschenken), dem kurzen Hoch, dass alles lohnenswert erscheinen ließ, und dem unvermeidlichen Gaslighting (Als Gaslighting wird in der Psychologie eine Form von psychischer Manipulation bezeichnet, mit der Opfer gezielt desorientiert, verunsichert und in ihrem RealitĂ€ts- und Selbstbewusstsein allmĂ€hlich beeintrĂ€chtigt werden.) , es folgte das Hoovering (Hoovering bedeutet wörtlich ĂŒbersetzt “staubsaugen”. Metaphorisch wird der englische Begriff fĂŒr ein toxisches BeziehungsphĂ€nomen benutzt: Eine hoovernde Person versucht, den Ex-Partner, Freund oder Mitarbeiter mit allen Mitteln klein zu machen und saugt einem alles Gute aus.), und dann kommt das unweigerliche Wegwerfen – darauf werde ich im Laufe der Serie noch nĂ€her eingehen.

Meine Mutter war eine offenkundige oder grandiose Narzisstin der schlimmsten Art. Als Kind ist man von seinen Eltern abhĂ€ngig, und von einem Narzissten abhĂ€ngig zu sein, ist eine Herausforderung, bei der es ums Überleben geht. Ich habe mit der Zeit meine Überlebensmechanismen gefunden – Kinder sind unglaublich widerstandsfĂ€hig. Einer dieser Mechanismen war die Musik. Bis heute ist Musik etwas, das mir in jeder Situation hilft. Aber ich hatte auch das große GlĂŒck, eine wunderbare große Schwester zu haben, und ich glaube, man kann sagen, dass wir uns gegenseitig gerettet haben.

Mein kleiner Bruder, der fast 13 Jahre jĂŒnger war als ich und 17 Jahre jĂŒnger als meine Schwester, hatte nicht so viel GlĂŒck. Er hatte die volle Aufmerksamkeit meiner Mutter und war allein – mein Vater interessierte sich nicht fĂŒr uns und war leider völlig nutzlos – so dass er sich in den Drogenmissbrauch flĂŒchtete, den meine Mutter irgendwann sogar kontrollierte, was zu seinem Tod im Alter von 27 Jahren im Jahr 2007 fĂŒhrte.

Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Mutter (oder mein Vater) uns Kindern Liebe oder Freundlichkeit gezeigt hĂ€tte, außer wenn wir in der Öffentlichkeit waren oder GĂ€ste hatten. Sie kannte also den Unterschied und tat alles mit Bedacht. Es hat sehr lange gedauert, bis ich das begriffen habe, denn ich habe ihr Verhalten immer entschuldigt, indem ich mir eingeredet habe, dass sie ihr Bestes taten und es nicht besser wusste – und doch haben sie es getan.

Kommt Ihnen etwas davon bekannt vor?

Meine Mutter fĂŒhlte sich immer zu Höherem berufen und ließ uns das auch immer spĂŒren. Im Grunde waren wir Kinder es, die ihr Leben ruiniert haben. Meine Mutter war nie schuld und immer das Opfer, und sie hat diese Rolle mit der Zeit perfektioniert. Meine Mutter spielte recht gut Klavier, aber in ihren eigenen Augen hatte sie das Zeug zu einer berĂŒhmten Konzertpianistin. Meine Mutter war eine recht gute Reiterin. Wenn sie aus dem Stall zurĂŒckkam, erzĂ€hlte sie uns immer, dass es dort ein Pferd gab, das so schwierig und nervös war, dass nur sie es reiten konnte, weil niemand sonst ihre erstaunlichen FĂ€higkeiten und Fertigkeiten hatte. Da ich ein neugieriges Kind war, erdreistete ich mich, sie zu fragen, wer das Pferd geritten hatte, bevor sie dort angefangen hatte zu reiten.
Das kam einer MajestĂ€tsbeleidigung gleich und wurde entsprechend geahndet. In den Augen meiner Mutter waren wir Töchter ihre schlimmste Konkurrenz. Ich durfte weder Reiten noch Klavierspielen lernen. Heute weiß ich, dass sie weder das Risiko eingehen konnte, dass ich besser sein könnte als sie, noch die Möglichkeit, ihre LĂŒgen zu entlarven. Ihr Kartenhaus hĂ€tte einstĂŒrzen können, und das musste mit allen Mitteln verhindert werden. Meine Mutter hat auch immer sehr deutlich gemacht, dass sie unter ihrem Niveau geheiratet hat. Auch ĂŒber unseren Vater hat sie vor uns Kindern nie ein gutes Wort verloren – wobei zu erwĂ€hnen ist, dass sie sich eigentlich gegenseitig verdient haben, aber das ist eine andere Geschichte. Meine Mutter hat unseren Vater immer gegen uns ausgespielt. Er war der Bösewicht, sie war die Gute. In den Augen meiner Mutter hĂ€tte sie einen FĂŒrsten, einen Prinzen oder am besten einen König heiraten sollen. Es muss erwĂ€hnt werden, dass meine Mutter nie etwas erreicht hat, sondern fest davon ĂŒberzeugt war, dass ihr nur das Allerbeste zusteht. Und so lange ich mich erinnern kann, war sie eine unglĂŒckliche und missgĂŒnstige Person.

Ich denke, man kann sich ein Bild von dieser Person machen.Wir wurden nie körperlich missbraucht, aber es gab viel psychologischen oder narzisstischen Missbrauch. Ich werde nicht ĂŒber die Dinge sprechen, die meine Schwester erlebt hat und an die ich mich nicht erinnern kann, weil das nicht meine Geschichte ist. Wenn wir bestraft wurden, dann meist mit Liebesentzug – obwohl das voraussetzen wĂŒrde, dass es Liebe gab. Nennen wir es also Entzug von Aufmerksamkeit. Wenn wir einen Fehler gemacht haben und uns entschuldigen wollten, hieß es in der Regel: “Ist schon gut, in drei (diese Zahl konnte variieren) Tagen.” Dann waren wir fĂŒr diese Anzahl von Tagen nicht existent. Als Kind ist dies wahrscheinlich eines der grausamsten und verletzendsten Dinge, die man erleben kann – abgesehen von körperlicher Misshandlung. Kinder sind abhĂ€ngige MĂŒndel, die der Gnade ihrer Eltern ausgeliefert sind.

Mein einziger Überlebensmechanismus war, so oft wie möglich von zu Hause weg zu sein. Wenn es eine Möglichkeit gab, mit Freunden draußen zu sein oder irgendwo zu ĂŒbernachten, habe ich sie genutzt. So ziemlich alles, um nicht zu Hause zu sein.

Am besten war es, wenn wir GĂ€ste hatten oder irgendwo in der Öffentlichkeit waren. Meine Eltern waren die nettesten und fĂŒrsorglichsten Menschen, die man sich vorstellen kann, wenn andere dabei waren. Die Show war Oscar-wĂŒrdig und als Kind habe ich diese Momente geliebt und genossen. Wir hatten auch tolle Geburtstagsfeiern – weil wir andere zu uns einluden und die Show weitergehen musste – und bis heute liebe ich meinen Geburtstag.

Wenn meine Mutter etwas von uns wollte, hat sie uns entweder mit SchuldgefĂŒhlen oder mit Love-Bombing dazu gebracht, dem nachzukommen, und das hat meistens funktioniert. Es ist lustig, dass ich mich daran erinnern kann, dass ich im Alter von sieben Jahren den Entschluss fasste, niemals so zu sein wie meine Eltern – ich glaube, ich wusste instinktiv, dass das, was sie tat, falsch war.

Ich möchte Sie nicht mit weiteren Details langweilen, und ich glaube, Sie verstehen schon, was ich meine. Was ich Ihnen aber sagen kann, ist, dass ich mich nicht als jemand betrachte, der eine schreckliche Kindheit hatte, oder als ein Opfer. Ich hatte vielleicht Versorger statt Eltern, aber trotzdem hatte ich die Möglichkeit, im Ausland zu leben und viele tolle Erfahrungen zu machen, die andere Kinder nie hatten, und dafĂŒr bin ich unendlich dankbar. Außerdem haben mir meine Eltern die wichtigste Lektion ĂŒberhaupt beigebracht: Wie man Dinge NICHT tut!

Als ich meine eigenen Kinder großzog, tat ich alles, was ich konnte, um nicht in das zu verfallen, womit ich aufgewachsen war, und wenn ich mir meine Kinder heute ansehe, hoffe ich, dass mir das grĂ¶ĂŸtenteils gelungen ist.

Wir begegnen Narzissten in unserem Zuhause, in unseren Beziehungen und an unseren ArbeitsplĂ€tzen. Eine Beziehung mit einem Narzissten ist – je nachdem, wie ausgeprĂ€gt der Narzissmus ist – gelinde gesagt schwierig und fast immer schĂ€dlich. In meinem nĂ€chsten Artikel werde ich Ihnen einen Einblick in eine der verschiedenen Arten von Narzissmus geben, denn es gibt große Unterschiede.


Dieser Artikel wurde verfasst von unserer Beraterin Tessa! FĂŒr Narzissmus Teil 2 klicken Sie bitte hier

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